Das Geschenk
360 Grad MENSCH! Motivationskolumne
Das Geschenk
Letztes Wochenende bin ich bei meiner Freundin eingeladen. Sie steckt mitten in einer dieser Phasen zwischen Aufbruch und Zweifel, zwischen alten Mustern und neuen Möglichkeiten. Ich will ihr etwas mitbringen, das nicht ablenkt, nicht beschwichtigt, nicht überdeckt. Etwas, das wirklich trägt.
Und hier greifen wir oft schnell zu Dingen, die man anfassen kann: Blumen, Wein, Kerzen, kleine Aufmerksamkeiten. Doch oft sind es nicht die Gegenstände, die fehlen, sondern der Platz, den wir brauchen, um uns selbst wiederzufinden. Raum ist selten geworden. Tage sind voll, Köpfe überfüllt, Herzen oft eng. Doch gerade in einer Findungsphase ist Raum kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit: Raum, um anzuhalten, Raum, um zu fühlen. Raum, um zu zweifeln. Raum, um zu träumen. Raum, um sich selbst wieder zu hören.
Kann Leere ein Geschenk sein?
Ich stehe also in der Lagerhalle in der Langen Reihe, wo ich immer was finde und merke: Nichts passt. Nichts trifft das, was sie gerade braucht. Und während ich im Schlendern gedankenverloren mit meinen Fingern vorsichtig über die schönen Dinge streiche, kommt mir plötzlich dieser Gedanke – fast frech, fast poetisch: Ich schenke ihr Raum. Nicht symbolisch, sondern ganz konkret. Ich entscheide mich für eine schlichte Box. Weiß. Leer. Federleicht und gleichzeitig bedeutungsschwer, denn in dem Raum der Box ist nicht Nichts. Es ist kleines Gefäß voller Möglichkeiten. Dazu eine schöne Schleife, um die Kostbarkeit noch aufzuwerten.
Raum erklärt sich nicht – er lädt ein
Glücklich über mein kreatives Geschenk tauche ich bei meiner Freundin auf.
Nach Tee und Cookies am Tischkamin überreiche ich mein Präsent. Sie zieht die Schleife ganz vorsichtig auf und als sie die Box öffnet, schaut sie ganz verdutzt über die Leere, irritiert vom Nichts, doch dann wird sie ganz still. Ich spüre, wie sie langsam versteht. Ich halte den Raum, der einfach einlädt, zu: Nichts muss alles kann und damit trägt er eine wunderbare Leichtigkeit. Ich gebe ihr Zeit, ohne einzuengen oder zu drängen und höre zu, ohne zu werten oder zu interpretieren. Und genau dadurch entsteht Vertrauen – das Fundament jeder Beziehung.
Beziehung ist nicht das, was wir einander geben. Beziehung ist auch der Raum, den wir füreinander öffnen. Ein Raum, in dem Du Dich zeigen darf – mit Chaos, mit Mut, mit Angst, mit Traurigkeit oder Hoffnung. Ein Raum, in dem Du nicht funktionieren musst. Ein Raum, in dem Du als Mensch wachsen darf.
Vielleicht ist das das größte Geschenk, das wir einander machen können: Nicht Antworten. Nicht Lösungen. Sondern Raum.
Aushalten, dass der andere gerade nicht weiß, wohin. Raum schenken und auch halten heißt: Ich vertraue dir. Ich glaube an deinen Weg, auch wenn du ihn selbst noch nicht siehst. In einer Welt, die ständig füllt, ist Raum schenken und halten ein Akt der Liebe. Ein stiller und kraftvoller.
Es sprudelt so viel an diesem Abend aus meiner Freundin heraus und ich höre ihr einfach zu. Ich schenke mir selbst somit auch Raum, einfach zu sein.
Als ich mich um Mitternacht über die Krugkoppelbrücke auf den Weg nach Hause mache, fühle ich mich beschenkt. Von Raum für Freundschaft, Begegnung, Liebe, Kreativität und Glück das erleben zu dürfen.
Vielleicht ist das die größte Einladung unserer Zeit: wieder Räume zu schaffen, die nicht vollgestopft sind mit Erwartungen, Meinungen und Geschwindigkeit. Sondern Räume, in denen wir uns wirklich begegnen.
Und manchmal beginnt dies mit einer leeren weißen Box.
Sofern du auch Raum brauchst – Raum zum Klarwerden, Raum zum Wieder‑Spüren, Raum zum sich Zutrauen, kann Coaching genau dieser geschützte Ort für dich sein. Ein Ort, an dem du dich zeigen darfst, ohne Erwartungen erfüllen zu müssen. Wenn du spürst, dass es Zeit ist, ich schenke Dir diesen Raum und begleite dich gern ein Stück auf diesem Weg.
Von Herzen
Deine Kathrin
Über mich als Bloggerin
Meinen „Motivationsblog von und mit Kathrin“ habe ich seit 2012. Das war mein Startschuss für das Schreiben im Netz. Es gibt mir die Möglichkeit all die Themen, die viele Menschen beschäftigen, genauer zu beleuchten und dahingehend zu motivieren selbstbestimmend zu leben, in kleinen Schritten loszulaufen und einfach aus ganzem Herzen zu leben.


