360 Grad MENSCH! Motivationskolumne

Transformation beginnt dort, wo wir uns selbst lesen

April 2026

Ich gehe voller Vorfreude zum ersten Mal in die Hamburger Bücherhalle am Hühnerposten. Offen, neugierig, bereit, mich einzubringen, vorzulesen, meine Bücher zu teilen. Doch kaum sitze ich am Servicepoint, prallt meine Offenheit auf eine Wand aus Bürokratie. Keine Wärme, kein Willkommen. Stattdessen Regeln, Formulare, Prüfprozesse. In mir beginnt es zu arbeiten.

Als ich eine Mitgliedschaft abschließen möchte, sagt die Dame, sie brauche meinen Personalausweis. Ausgerechnet den habe ich an diesem Morgen aus meinem Portemonnaie genommen – mit dem Gedanken, den brauche ich heute nicht. Ich erkläre ihr, dass ich ihn digital gespeichert habe, biete meinen Presseausweis und Kreditkarten an. Doch nichts zählt. In mir schlägt es dreizehn. Ich fühle mich abgelehnt, machtlos, ausgeliefert. Dieser deutsche Bürokratie-Wahnsinn lässt mich innerlich kochen.

Triggerpunkte, die zurückwerfen und gleichzeitig weiterbringen

Dann kommt der Satz, belehrend und mit erhobenem Zeigefinger: „Sie sind verpflichtet, Ihren Personalausweis immer mit sich zu tragen.“ Trigger. Trigger. Trigger. Ich versuche mich zu erklären, doch es interessiert sie nicht. Meine Freundin, die inzwischen neben mir steht, versteht nicht, was hier passiert. Ich fühle mich wie eine Betrügerin, die Bücher klauen würde. Doch all diese Gefühle gehören zu mir, nicht zu ihr.

Wir stehen auf und meine Freundin zeigt mir alles. Die vielen Bücher, dicht an dicht, erschlagen mich. Die Abteilungen, die Anonymität, die Kälte – ich fröstele. Ich frage mich, ob alles anders gewesen wäre, hätte ich meinen Ausweis dabeigehabt. Wo ist meine vertraute Buchhändlerin, die mich mit Namen kennt und weiß, was mir gefällt?

Dreißig Minuten später gehen wir in den Keller zum Buchflohmarkt. Für einen Euro kaufe ich „Schwerelos“ von Ildikó von Kürthy. Schwerelos fühle ich mich gerade nicht – aber dahin möchte ich zurückfinden. Im Café Schmidtchen sprechen wir über das Erlebte. Ich lasse die Gefühle zu, statt sie wegzudrücken. Die Sonne fällt durchs Fenster, und plötzlich erkenne ich: Diese Frau war nicht gegen mich. Sie war (m)ein Spiegel.

Die ganze Woche war bei mir im Fluss, und dann treffe ich diese Dame, die in mir so vieles triggert. Sie zeigt mir, wo ich festhalte, wo ich Erwartungen habe, wo mein Ego laut wird. Ihre Sturheit zeigt mir meine eigene. Und indem ich das erkenne, beginnt sich etwas zu lösen. All das hat einen Sinn. Ich bekomme die Chance, mich innerlich zu lesen wie ein Buch und das zu transformieren, was mir gehört: meine Sturheit, meinen Stolz, mein Ego, meine Unzufriedenheit. Während ich darüber spreche, spüre ich Dankbarkeit. Dankbarkeit dieser Frau gegenüber, die mir – ohne es zu wissen – etwas wichtiges gezeigt hat.

Das Leben antwortet – wenn ich bereit bin zuzuhören

Eigentlich wollte ich morgen wiederkommen – MIT Ausweis – und eine Mitgliedschaft abschließen. Doch das Erlebnis wirkt nach, und ich möchte alles in Ruhe verarbeiten. Ich gehe mein Tempo.

Nach dem Einkaufen am nächsten Tag laufe ich an einer Bücherkiste älterer Bücher meiner Rudolf-Steiner-Buchhandlung bei mir ums Eck im Grindel vorbei und ziehe ein Buch heraus. Ich gehe hinein, möchte es kaufen – und bekomme es spontan geschenkt. Einfach so. Ein Moment voller Wärme und Vertrautheit, der im Kontrast zum Vortag steht, sodass ich innerlich lächeln muss. Das Leben spricht mit mir. Es zeigt mir, dass alles im Fluss ist, wenn ich es zulasse. Die Bücherhalle kann warten. Ich habe jetzt zwei Bücher und bin schwerelos glücklich.

Vielleicht gehe ich irgendwann wieder in die Bücherhalle. Vielleicht nicht. Beides ist in Ordnung. Denn das Wesentliche ist geschehen: Ich habe mich selbst ein Stück tiefer gelesen und verstanden.

Jeder kann das. Auch Du.

Transformation ist leise. Sie passiert nicht im Seminar, nicht im Retreat, nicht auf dem Meditationskissen, sondern mitten im Leben – im Supermarkt, an der Bushaltestelle, in Gesprächen, die triggern. In Situationen, die Gefühle auslösen, die wir nicht fühlen wollen. Dort liegt die Einladung zur Veränderung. Erkennen, was in mir reagiert. Integrieren, was zu mir gehört. Und transformieren, indem ich bewusst wähle, mit welcher Energie ich weitergehe – aus Wut, Scham oder Angst, oder liebevoll aus dem Herzen.

Es braucht keine besondere Ausbildung, keine perfekten Bedingungen. Nur Bewusstsein im Hier und Jetzt. Es beginnt damit, sich zu beobachten. Zu merken: Da passiert etwas in mir. Zu spüren: Das triggert mich. Zu erkennen: Das gehört zu mir – nicht zur anderen Person. Und in diesem Moment öffnet sich ein Raum. Ein Raum, in dem ich wählen kann. Ein Raum, in dem ich mich erkenne. Ein Raum, in dem ich mich nicht mehr von alten Mustern steuern lasse.

Das ist Transformation. Leise, ehrlich, menschlich. Und sie beginnt dort, wo ich wir uns selbst begegnen.

Wenn du deine Transformation nicht allein gehen möchtest, begleite ich dich als Coach auf deinem Weg.

Von Herzen
Deine Kathrin

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Über mich als Bloggerin

Meinen „Motivationsblog von und mit Kathrin“ habe ich seit 2012. Das war mein Startschuss für das Schreiben im Netz. Es gibt mir die Möglichkeit all die Themen, die viele Menschen beschäftigen, genauer zu beleuchten und dahingehend zu motivieren selbstbestimmend zu leben, in kleinen Schritten loszulaufen und einfach aus ganzem Herzen zu leben.