360 Grad MENSCH! Motivationskolumne
Im Nichts ist ganz viel
Es ist genau ein Jahr her, als ich bei einer Veranstaltung im Curio Haus neben einem charmanten Herrn im Alter von etwa Anfang sechzig sitze und wir im Austausch auch auf das Thema Reisen kommen. Ich erzähle ihm, dass ich so gerne auf die Insel Neuwerk fahren möchte, da ich dafür sogar in meinem eigenen Bundesland bleiben kann, denn die Insel im Hamburgerischen Wattenmeer gehört zu Hamburg dazu. Es werden einem immer die richtigen Menschen über den Weg geschickt, denn er fährt seit Jahren auf die Insel und schwärmt und verspricht mir, mir seinen Kontakt vom Hotel Nige Hus zukommen zu lassen. Tatsächlich gibt es noch Menschen, die sagen, was sie tun und tun auch was sie sagen und am nächsten Tag habe ich bereits den Kontakt in meinem Mail Postfach.
Warum warten wir immer so lange?
Es dauert ein ganzes Jahr bis ich dafür ins Machen komme, ständig ist etwas anderes und tausend Dinge sind immer wichtiger als ich und mein Wunsch auf diese Insel zu fahren. Dabei ist der Kontakt zum Nige Hus super sympathisch und alles ist flott gebucht. Ich werde von Cuxhaven aus mit dem Pferde Wattwagen auf die Insel gebracht und will zwei Tage später mit dem Schiff zurück aufs Festland, denn um 06.30 Uhr am Abreisetag aufzustehen, damit es durch das Watt zurückgehen kann, da hier der Tidekalender das Sagen hat, ist mir doch zu früh, denn ich habe Urlaub. Ich habe einen Plan.
Euphorisch schreibe mich dem netten Herrn, von dem die Empfehlung kam und verspreche ihm, mich zu melden, wenn ich wieder zurück bin, um zu berichten.
Keine 30 Minuten später bekomme ich eine automatisierte Mail zurück mit dem Text: „Wir möchten Sie darüber informieren, dass unser Kollege leider verstorben ist.“ Geschockt sitze ich an meinem Laptop und dennoch erkenne ich sofort die Message, die dahintersteckt: Mach aus Irgendwann ein Jetzt! Warte nicht mit den Dingen, die Dir wichtig sind. Das Leben ist endlich und daher auch so kostbar.
Bewusst erLEBEN
Ich habe eine fantastische Anreise, die direkt ins Herz geht. Kreischende Möwen und Wattvögel begleiten uns und díe Pferde bahnen sich trabend vertraut den Weg durch die Priele. Ich bin völlig begeistert von dem endlosen Himmel. Eingebettet vom gigantischen Sonnenuntergang, der vor uns liegt und dem Blutmond hinter uns, erreichen wir Neuwerk. Das Hansestadt Hamburg Schild empfängt uns als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben und das Hotel Nige Hus liegt absolut bezaubernd hinterm Deich inmitten von satten Wiesen und Feldern. Mit einem liebevoll angerichteten und leckerem Krabbenbrot in meinem Bäuchlein, darf ich im Krähennest schlafen und komme mir vor wie der kleine Rabe Socke, denn ich habe durch die großen Fenster einen Rundumblick über die Insel. Glücklich hier zu sein sinke ich in mein Bettchen.
Im Nichts ist ganz viel
Ich werde an diesem Montag nicht von der Müllabfuhr oder den Autos geweckt, sondern vom Singen der Vögel und dem Schnauben der Pferde und die Sonne scheint bereits. Ein herrlicher Tag liegt vor mir und ich bin voller Vorfreude darauf alles zu entdecken. Das leckere Frühstück gibt mir Power und mit dem hauseigenen Fahrrad, dass den Gästen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird, radle ich los. Ich brauche nur zu entscheiden ob nach rechts oder links am Deich. Die Ruhe hier ist überwältigend. Immer wieder bleibe ich stehen und höre hin. Nichts. Die Pflanzen wiegen sich vertrauensvoll im Rhythmus des Windes und die Natur ist hier im Einklang und ich klinge einfach mit. Es überträgt sich sofort, denn im Nichts ist ganz viel.
Entschleunigte Entdeckungsreise
In der kleinen Inselschule, die nicht mehr aktiv ist, liegt die Neuwerkstatt, in der ich ein Mitbringsel erstehe und fahre bis hin zum alten Leuchtturm, von dem ich einen grandiosen 360 Grad Blick über die ganze Insel habe. Egal wo ich hinkomme oder vorbeifahre, alles ist gepflegt und in seiner natürlichen Ordnung. Die Liebe zu dieser Insel, auf der 18 Einwohner leben, ist überall zu spüren. Das Nationalpark Haus ist so liebevoll gestaltet und macht noch mehr Lust auf all das, was die Insel und die damit verbundene Natur zu bieten hat. Ich fahre weiter zum Friedhof der Namenlosen und verneige mich vor den verwitterten Holzkreuzen, die einem hier stumm entgegenblicken. Es ist ein besonderer Ort mit einer speziellen Energie.
Der „Hafen“ besteht aus einem Rettungsboot und zwei kleinen Segelschiffen, die darauf warten, dass die Flut kommt. Ich dagegen habe keine Erwartung – völlig entschleunigt lege mich ins Gras und bin einfach.
Lebenskraft tanken
Nach bereits einer Stunde bin ich um die ganze Insel rum und nach einem frischen Stück Kuchen mit dick fett Sahne drauf, entschließe ich mich nochmals loszulaufen – barfuß auf dem Deich entlang. Mit jedem Schritt erde ich mich mehr, spüre die Bodenhaftung und die fluffigen kleinen Wolken am Himmel machen mich ganz leicht. Die Kühe und Pferde, die hier leben können glücklicher nicht sein. Die Urelemente sind in ihrer vollen Kraft und alles ist friedlich.
Zwei Tage auf der Insel und ich bin wie ausgewechselt – es hat mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist immer wieder LEBENSKRAFT zu tanken und sich selbst zu nähren und wieder im eigenen Rhythmus zu schwingen. Warte nicht nur, sondern mache Sachen, die dich nähren, stärken und erfreuen. Dann empfange – und genau das habe ich gemacht auf dieser so wundervollen Insel.
Vergiss alle Retreats, für die Du um die halbe Welt jetten musst – wenn Du Ruhe, Stille und Einssein mit Dir und der Natur erleben willst, motiviere ich von Herzen: Mach aus Irgendwann ein Jetzt und fahre auf die Insel Neuwerk!
Von Herzen
Deine Kathrin
Über mich als Bloggerin
Meinen „Motivationsblog von und mit Kathrin“ habe ich seit 2012. Das war mein Startschuss für das Schreiben im Netz. Es gibt mir die Möglichkeit all die Themen, die viele Menschen beschäftigen, genauer zu beleuchten und dahingehend zu motivieren selbstbestimmend zu leben, in kleinen Schritten loszulaufen und einfach aus ganzem Herzen zu leben.

